Zur Kritik des Freundeskreis „Kritik verkürzter Kritik“

Vor einigen Tagen erschien auf indymedia.org ein kritischer Artikel des Freundeskreis „Kritik verkürzter Kritik“ mit dem Titel „Die gute Studigemeinschaft fordert: Vater Staat, rette die reine Bildung gegen das böse Abstrakte!“, in dem der studentische Bildungsprotest als verkürzte Kritik verschrieen wird. Schon nach wenigen Zeilen wird deutlich, dass es sich wieder einmal um den Versuch verwirrter Antideutsche handelt, eine soziale Bewegung zu diffarmieren. Egal in welchem bereich Menschen zusammen für die konkrete Verbesserung ihrer Lebensbedingungen kämpfen, entdeckt die antideutsche Elitentruppe den teuflischen deutschen Bauernmob, der sich schon im nächsten Moment an einem Progrom gegen Juden beteiligen könnte.

Den Bildungsstreikenden wird vorgeworfen, die Missstände an den Hochschulen nicht als Folgen, „einer im Angesicht wirtschaftlicher Krise unvermeidlichen Reformierung“, anzuerkennen. Somit bedienen sich die Verfasser der Argumentation sogenannter Realpolitiker, die die Forderungen der Protestler als utopisch und nicht realisierbar zurückweisen. Das andere Staaten und sogar einige Bundesländer ohne Studiengebühren oder Anwesenheitspflichten auskommen, obwohl sie von der selben Wirtschaftskrise betroffen sind, erwähnen diese Realpolitiker ebensowenig wie unsere Kritiker der verkürzten Kritik. Qualitative Verbesserungen der Lern- und Lebensbedingungen seien aufgrund „herrschender Verwertungszusammenhänge“ nicht zu erreichen und jeder, der Veränderungen innerhalb des Systems fordert, habe die „Basisbanalitäten von Ökonomie und Staatstheorie“ nicht verstanden, denn „die Aufgabe auch jedes staatlich organisierten Bildungswesens ist die Produktion von Fachkräften für den Arbeitsmarkt; die Aufgabe jedes Staates die Aufrechterhaltung und Stabilisierung des mal mehr und mal weniger regulierten Marktes.“ Dieser richtige Satz wird dazu missbraucht, Kritik an neoliberalen Reformen und Sozialabbau als verkürzt zurückzuweisen. Auf die Forderungen der Protestbewegung antwortet der FDPler: „Utopie“ und der Antideutsche: „Verkürzte Kritik“.

Noch schöner wird es allerdings, als dann endlich der lang erwartete Antisemitismus-Vorwurf auftaucht. Diesmal trifft es den Soziogen Jean Ziegler und zusätzlich alle österreichischen Studenten, die ihm applaudierten. Als Beweis gilt hierfür die Verwendung der Worte „Finanzkapital“ und „Weltdiktatur“. Ziegler erkennt nämlich ganz richtig, dass die extrem marktliberalen Reformen, darum möglich sind, weil mit der, aus dem Akkumulationszwang des Kapitalismus hervorgehenden, Verschmelzung des Industriekapitals mit dem Geldkapital zum Finanzkapital nicht nur das Kapital anfing sich in wenigen Händen zu konzentrieren, sondern eben auch die daraus resultierende politische Macht. Die politische Einflussnahme der Bourgeoisie also mit der Ablösung des Kapitalismus durch den Imperialismus bedeutend zunahm. Diese Macht zu kritisieren und metaphorisch als „Weltdiktatur“ zu bezeichnen, um den globalen Charakter dieses Problems aufzuzeigen, reicht in der beschränkten Welt unserer Verkürzte-Kritik-Kritiker also aus, um Antisemit zu sein. Dieser leichtfertige, inflationäre Gebrauch des Antisemitismus Begriffs relativiert die Scheußlichkeit der chauvinistischen Ideologie der Nationalsozialisten und nützt damit nur den tatsächlichen Antisemiten.

Anschließend werden einige Beispiele angeführt, die darlegen, dass das politische Bewusstsein der Streikenden nicht ausgereift ist, sich die ganze Streikbewegung noch in den Kinderschuhen befindet und die vielen Protestler noch von einem zu naiven Standpunkt aus argumentieren. All das ist zutreffend, doch vergessen die Verfasser hierbei, dass jeder spontane Aufschrei der Massen zuerst einmall Ausdruck der erfahrenden Ungerechtigkeit ist und sich politisches Bewusstsein nicht von selbst entwickelt. Darum ist es die Aufgabe der Kommunisten für eben jenes Bewusstsein zu sorgen, die Zustände an den Hochuchulen in einen gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang zu stellen und historisch einzuordnen. Das es den Verwirrten jedoch nicht darum geht, den Bildungsprotest auf eine neue Ebene des politischen Bewusstseins zu heben, sondern darumihn in antideutscher Manier zu diffarmieren, sollte oben genügend dargelegt sein. Es geht ihnen nicht darum die notwendige Vorhut jeder sozialen Bewegung zu sein, sondern von oben mit dem Finger herab zu zeigen und „Verkürzte Kritik“ zu rufen.

Besagter Artikel: http://freundeskreiskritik.blogsport.de/