Hier die Antwort des Freundeskreises:
Der Text des extra gegen uns angelegten blogsports morgenrot bietet beste Steilvorlagen für unsere Kritik. Zwar lädt er schon bei Betrachtung seines hypokritischen headers mit Hammer, Sichel, Marx, Engels und Lenin neben der Losung „Sozialrevolutionäre Gedanken“ eher zum Abfeiern als zur inhaltlichen Auseinandersetzung ein, der Text ist jedoch nicht weniger unterhaltsam.
Weil KritikerInnen von Antisemitismus heute offensichtlich automatisch als „Antideutsche“ gelten, werden wir als „antideutsche Elitentruppe“ bezeichnet, die, „egal in welchem bereich Menschen zusammen für die konkrete Verbesserung ihrer Lebensbedingungen kämpfen, […] den teuflischen deutschen Bauernmob, der sich schon im nächsten Moment an einem Progrom gegen Juden beteiligen könnte“, entdecken. Das ist natürlich völliger Blödsinn, da wir im schlechtesten Falle die Naivität und Ignoranz der meisten ProtestlerInnen diffamieren wollen, und nur angesichts des Beifalls für das senile Gerede von der allmächtigen und internationalen Diktatur des Finanzkapitals berechtigterweise auf den Zusammenhang von verkürzter Kapitalismuskritik und Antisemitismus hinweisen.
Wenn wir wirklich glauben würden, dass wir es mit einem Bauernmob zu tun hätten, der jeden Moment ein Pogrom starten kann, würden wir nicht Texte schreiben sondern zu handfesten Gegenmaßnahmen greifen, bzw. notfalls auf den bürgerlichen Rechtsstaat und die Polizei vertrauen.
Wer im übrigen die wahnsinnige Vorstellung hat, dass mit der „Verschmelzung des Industriekapitals mit dem Geldkapital zum Finanzkapital nicht nur das Kapital anfing sich in wenigen Händen [!!!!] zu konzentrieren, sondern eben auch die daraus resultierende politische Macht“, sollte sich davor hüten, uns in unserer Analyse kumpelhaft Recht zu geben, und uns nur den Mangel an Glauben in die „soziale Bewegung“ vorzuwerfen. Wer keine Ahnung hat sollte, und das ist eine universale Weisheit, einfach mal keinen blog veröffentlichen.
Liebe Kritiker der verkürzten Kritik,
Es freut mich zu hören, dass euch mein Header gefällt. Leider muss ich euch enttäuschen und euch mitteilen, dass dieser Blog nicht extra für euch angelegt wurde, sondern er mir eine Plattform bieten soll, auf der ich je nach Bedarf meine Gedanken äußern kann. Nein, natürlich ist nicht jeder Kritiker von Antisemitismus ein Antideutscher, genauso wenig wie nach antideutscher Weltanschauung jeder Nicht-Antideutsche sofort ein Antisemit ist. Allerdings braucht es auch nicht viel, um die Jünger eines Justus Werthmüller zu erkennen, da die Rhetorik stets die selbe ist. Die Tatsache, dass eure Antwort hauptsächlich ernsthaft auf die kleine Polemik meiner Einleitung eingeht, zeigt doch eindeutig, dass ihr nicht Willens seid auf meinen Hauptvorwurf – ihr wäret daruf aus den Bildungsprotest zu diffamieren, anstatt ihn zu bereichern – einzugehen. Ihr behauptet, dass die von mir gegebene Definition von Finanzkapital „wahnsinnig“ sei, seid aber nicht dazu bereit oder in der Lage, eine Gegenthese aufzustellen oder meine Definition als falsch zu entlarven. Die reine Kritik des Finazkapitals, losgelöst von der „Realwirtschaft“, also die obskure Trennung vom „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital, ist tatsächlich konsequent falsch und hat in der Geschichte seinen Beitrag zum europäischen Antisemitismus beigetragen. Wer aber keine Ahnung hat von der leninschen Analyse des Imperialismus und des Finanzkapital, sollte vorsichtiger mit Antisemitismus-Vorwürfen umgehen. Zudem fordere ich von euch keinen Glauben in die soziale Bewegung, weil sie, wie erklärt, nicht von alleine zu einem politischen Bewusstsein gelangt, sondern Theorieerfahrende Menschen braucht, die sie auf eine neue Ebene heben.
Herzlichst
Morgenrot


